Springer setzt auf Paid-Content und damit aufs falsche Pferd

Während ich gespannt auf die GamesCom warte, habe ich gelesen, das Springer der “Kostenloskultur” im Internet den Kampf angesagt hat. Springer möchte ab diesem Herbst exklusive Redaktionsinhalte nur noch kostenpflichtig anbieten. Anfangen will man mit dem mobilen Content. Für alle mobilen Inhalte soll man zukünftig Abogebühren zahlen.

Springer will mit den Content-Abos die rückläufigen Einnahmen aus dem Werbegeschäft kompensieren und unterstreicht diesen Schritt mit der Aussage “Für Exklusives zahlt man doch gerne!”

Ich frage mich nur, was ist eigentlich noch exklusiv, seitdem es Google gibt. Inhalte, die Google nicht kennt, gibt es nicht. Das aber würde bedeuten, das Springer auch Google “aussperren” muß, um den “exklusiven Content” auch wirklich exklusiv anbieten zu können.

Aber ist nicht Google am Ende derjenige, der als Triebfeder des Internets auch den Verlagen und Zeitungen die Besucher bringt, die der Verlag widerum vermarktet?

Und würde das nicht bedeuten, das sich Springer damit die Grundlage des eigenen Geschäftsmodells langfristig nimmt? Exklusive Inhalte, die keiner kennt, interessiert auch keinen, der dafür zahlen soll. Und so hohe Abogebühren wird niemand Springer zahlen, um widerum die fehlenden Leser = fehlende Vermarktungseinnahmen kompensieren zu können.

Es wird zwar behauptet, das die eher kleine Zielgruppe für mobilen Content noch eher bereit ist, dafür zu zahlen – doch ist es nicht zu kurz gedacht, in ein gerade wachsendes Segment von Verlagsseite die Bremse reinzuhauen und somit zwar ein Paar Abo Euros kurzfrisitg zu generieren, sich aber langfrisitg ein viel größeres Potential zu nehmen. Es ist ein Trugschluß jedes Businesscases, das der Großteil der Leser in ein Abo investieren würden. Man werfe nur ein Blick auf Premiere, den Pay-TV Anbieter, der es selbst dem exklusivsten Inhalt – nämlich der Bundesliga – nicht geschafft hat wirklich Geld zu verdienen.

Auch wenn ich hier nicht nur auf die “Pay-TV Schwarzseher” referenziere, bietet das Internet einfach zu viele Möglichkeiten, vermeintlich exklusiven Content kostenlos zu bekommen – und zwar legal!

Lustiger Weise habe ich genau davon heute in meinem Buch von Jeff Jarvis “Was würde Google tun?” unter dem Kapitel “Gratis ist ein Geschäftsmodell” gelesen. Dort berichtet der Autor u.a. von der New York Times, die mit dem Versuch Content kostenpflichtig im Internet anzubieten, kläglich gescheitert ist. Nach nur zwei Jahren hatte die Geschäftsführung einsehen müssen, das die Kosten für Abonnentengewinnung und Kundenservice die vermeintliche Attraktivität des Abo-Modells deutlich einschränkte. Nach Abschaffung des Internet-Abos stieg die Zahl der Leser um 40% und damit auch die Einnahmen aus dem Werbegeschäft deutlich!

Kurzum: Ich glaube, diese lehrreiche Erfahrung wird Springer mit seinem Vorstoß auch machen müssen und wahrscheinlich auch zur gleichen Erkenntniss kommen wie die New York Times.

Für alle Interessierten gibts hier mein Amazon Partner-Link zum Buch

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One Response to “Springer setzt auf Paid-Content und damit aufs falsche Pferd”

  1. Paid Content: Wo wirklich Geld zu holen ist…

    Da sich Online-Angebote von Zeitungen und Magazinen über Werbung nicht ansatzweise refinanzieren lassen, suchen Verleger verzweifelt neue Business-Modelle. Statt wirklich zukunftsweisender Geschäfts-Modelle sollen es nun aber einmal mehr Bezahlinhalte …


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